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Sich der eigenen Vergangenheit stellen – Ein Weg zu mehr Vertrauen, Freude und Liebe im Leben

Soeben halte ich ein Blatt in meinen Händen. Es ist das letzte Utensil unseres Männerworkshops am vergangenen Wochenende, das noch aufgeräumt werden muss – die Teilnehmerliste.

Beim Darüberfliegen bleibt mein Blick an einzelnen Namen hängen, es steigt das dazugehörige Gesicht und die Geschichte des Mannes auf. Noch mehr Gesichter und Geschichten der Workshops vergangener Jahre drängen mir ins Gedächtnis:

Der Mann, der nicht weiß, wer sein Vater ist und jetzt schon die dritte Partnerschaft vergeigt.
Der Mann, dessen Eltern es so gut mit ihm meinten, dass sie ihren Jungen zu sehr behüteten – überall Regeln, Gebote und Vorhersehbares – und der jetzt, mit Ende 40, sagt: „Ich beginne langsam zu ahnen, wie bunt das Leben sein kann.“
Der Mann, der von seinem alkoholkranken Vater windelweich geprügelt wurde, dasselbe mit seinen Kindern tat und jetzt, mit Mitte 50 versucht, wieder Kontakt zu seinen mittlerweile erwachsenen Kindern aufzubauen.
Der Mann, dessen Mutter ihm nach leidvollen Jahren mitteilte, dass sie ihn nicht wollte, dass er immer eine Last war und der jetzt sagt, er habe es schwer, ins Leben zu kommen.
Der Mann, der aus medizinischen Gründen schon einen Tag nach der Geburt von seiner Mutter getrennt wurde und dem es jetzt schwerfällt, Vertrauen in Beziehungen zu haben.
Der Mann, der zu Hause lernte, dass nur der etwas zählt, der etwas leistet, der in Schule und Studium Top-Ergebnisse erreichte, die Karriereleiter hoch und höher kletterte, bis zur Überarbeitung, weil er sich selbst nicht spürte – Burnout, Absturz, Arbeit weg, Partnerschaft kaputt.

Sie alle standen im Leben ihren Mann. Haben Partnerschaften aufgebaut, Kinder gezeugt, Karriere gemacht – alles ganz „normale“ Männer. Tauchten erste Schwierigkeiten auf, haben sie diese mit vorwärtsgerichteten, rein auf Lösungen orientierten Methoden überwunden. Bis sie irgendwann erkannten, da ist etwas in mir, was mich mein Glück immer wieder sabotieren lässt, irgendetwas, wodurch das, was ich eigentlich tun und sein könnte, nicht nachhaltig zum Tragen kommt.

Irgendwann zeigte sich ein Muster, eine Gewohnheit, eine Last aus der Vergangenheit und wurde für das weitere Leben hinderlich. Bei dem Einen kam ein großer Zusammenbruch, ein Anderer bemerkte, dass er irgendwie nie so richtig auf die Bretter kam, ein Dritter spürte einfach, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann, er aber allein aus der eingefahrenen Spur nicht herauskommt.

Sie alle haben begonnen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Sie haben begonnen, sich das anzuschauen, was damals war. Mancher hat dabei das Fühlen wiederentdeckt, auch wenn sich zuerst unangenehme Gefühle zeigten: Angst, Wut, Schmerz oder Trauer. Mancher hat begriffen, warum er oft so seltsam reagiert, wie er reagiert und er beschimpft sich deswegen nicht mehr selbst.
Was sie alle eint ist eines: Sie haben sich auf den Weg gemacht, auf den Weg zu sich selbst und damit auf den Weg zu den anderen Menschen, auf den Weg in neue Begegnungen und Beziehungen, letztlich sogar: Auf den Weg zu mehr Vertrauen, Freude und Liebe im Leben.

Was Sie dafür brauchten war Mut. Manchmal viel Mut. Denn auf diesem Weg gibt es unangenehme Stellen, man weiß nicht, was einem begegnet, wie lange es dauert und wohin es im Außen führt. Natürlich, für Manchen war es leichter, diesen Mut aufzubringen, weil seine augenblickliche Situation ohnehin unaushaltbar schlecht war: schwere Krankheit, Partnerschaft kaputt, Arbeit weg. Für Andere war es schwieriger, weil rein äußerlich Alles noch funktionierte und das Unwohlsein nur im Inneren gärte: „Eigentlich müßte ich glücklich sein, ich habe ja alles, aber ich bin es nicht.“

Im Kreis der Workshopleiter haben wir uns am vergangenen Wochenende unterhalten und übereinstimmend festgestellt: Dieser Weg geht vielleicht nie zu Ende, jedoch: Er lohnt sich!
Der Weg zu mehr Vertrauen, Freude und Liebe im Leben, der ohne den Weg über die eigene Vergangenheit wohl nur selten funktioniert.

Zum Weiterlesen:

Zwei Artikel von Roland Kopp-Wichmann:
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